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April
2008
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In dieser Ausgabe: |
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Special Mexiko
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WAS
IST DER INTERNATIONALE KONGRESS? |
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Der Internationale Kongress ist der
wichtigste Moment im Vereinsleben
von Slow Food: In diesem Rahmen werden
die Leitungsorgane gewählt und die
strategischen Leitlinien für die weltweite
Entwicklung des Vereins, des Netzwerks
Terra Madre und der Projekte zum Schutz
der biologischen Vielfalt festgelegt.
2003 fand der Kongress in Neapel statt:
Damals wurde beschlossen, Terra Madre
ins Leben zu rufen und das Projekt
der Schulgärten einzuleiten. Fünf
Jahre später findet Terra Madre zum
dritten Mal statt und weltweit gibt
es bereits über 130 Schulgärten.
2007 fand der Kongress zum ersten
Mal außerhalb Europas statt, in Puebla.
Diese Entscheidung symbolisiert die
zunehmend internationale Dimension
und den Willen zur Öffnung unseres
Vereins. An dem Treffen nahmen 414
Delegierte aus aller Welt in Vertretung
der 85 000 Mitglieder teil.
Wir hoffen, dass Sie in diesem Special
Mexiko die starken Ideen und
die Atmosphäre fröhlicher Energie
wieder finden und spüren, die das
Treffen geprägt haben.
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DIE
ERKLÄRUNG VON PUEBLA |
Slow Food ist vor über 20 Jahren
als Bewegung von Menschen entstanden, die auf den
rechten Lebensrhythmus und den Genuss des Essens achten,
und hat im Laufe der Zeit eine immer größere Sensibilität
und Integrationskraft, Analyse- und Vorschlagsfähigkeit
entwickelt. Der Kongress in Puebla endete mit der
Verpflichtung, den eingeschlagenen Weg im Einklang
mit dem Manifest von 1989 fortzusetzen und dabei all
die verschiedenen Seelen des Vereins in das Auffinden
und die Förderung von guten, sauberen und fairen
Lebensmitteln einzubeziehen.
Die Erklärung
von Puebla ist die ideale Evolution des Manifests.
Sie ist von ihm inspiriert und unterstreicht die Aktualität
seiner vier Schlüsselpunkte:
I. Ursprüngliche Weisheit zurückerobern:
Engagement für den Schutz, die Bewahrung, Aufwertung
und Nutzung von traditionellem Wissen in Bezug auf
Landwirtschaft, Viehzucht, Fischfang, Jagd und Verarbeitung
von Lebensmitteln, wobei enge Beziehungen zu eingeborenen
Bevölkerungen geknüpft werden, um ihre Stimme anzuhören.
II.
Ausgehend von den lokalen Küchen die Aufmerksamkeit
weiter auf die lokalen Kulturen, lokale Wirtschaftsformen
und lokale Erinnerungen richten, denn jedes Lebewesen
und jede Tätigkeit wurzelt in einem bestimmten Gebiet
und zieht aus diesem Lebenssaft und Daseinsberechtigung
für seinen Werdegang.
III.
Dem falsch verstandenen Begriff der Produktivität
entgegenwirken, der Umwelt und Landschaft bedroht.
Slow Food wird sich weiter dafür einsetzen, Ideen
und Verhaltensweisen zu verbreiten, die im Zeichen
der Nachhaltigkeit, der Schönheit, der Leichtigkeit
und des Glücks stehen – in der Überzeugung, dass dieser
Planet für uns und für die zukünftigen Generationen
die einzige Quelle für Leben und Genuss ist.
IV.
Den internationalen Austausch von Geschichten, Kenntnissen,
Projekten verstärken und verdichten, ausgehend von
der Vereinsstruktur, erweitert auf die Förderkreise,
das Netzwerk Terra Madre und die Initiativen, die
von den Universitäten von Terra Madre umgesetzt werden.
Vom Essen zur Erde, vom Genuss zur Gerechtigkeit,
von der Exzellenz zum täglichen Einkauf, von der Valorisierung
der Produkte zur gleichen Würde für die Kulturen:
Dies ist der Weg, den wir 1989 eingeschlagen und nun
in Puebla bestätigt haben – dank der Teilnahme, den
Gedanken, der Energie und Fantasie der Delegierten
aus 49 Ländern.
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REDEN VON CARLO PETRINI: |
In seiner Eröffnungsrede
zum V. Internationalen Kongress zog der Slow Food-Präsident
Carlo Petrini nicht nur Bilanz über den Weg, den der Verein
in den letzten Jahren zurückgelegt hat, sondern bekräftigte
auch die Notwendigkeit, sich wieder das traditionelle
Wissen anzueignen und den Aufbau lokaler Wirtschaftsformen
zu fördern, denn sie sind wesentlich, um den Schäden an
Umwelt und Gesellschaft entgegenzuwirken, die von dem
beherrschenden System der Lebensmittelproduktion und einem
verzerrten Produktivitätsbegriff verursacht werden.
Er bestätigte seine Überzeugung, dass es uns nur so
gelingen kann, eine nachhaltige Zukunft aufzubauen.
Diese Herausforderung richtet sich direkt an unseren
Verein, und wir können uns ihr nur stellen, indem wir
uns öffnen und auch ein bisschen gesunden Wahnsinn pflegen.
Zum Abschluss
dagegen legte Petrini den Schwerpunkt vor allem auf
die Rolle der jungen Leute – Studenten ebenso wie Bauern
– innerhalb unseres Vereins, um einen gleichwertigen
Austausch von Kenntnissen zwischen Nord und Süd auf
der Welt zu fördern. Das junge Netzwerk von Slow Food
trifft sich zum ersten Mal bei Terra Madre 2008 und
ergänzt so das Netz der Bauern, Köche und Universitätsvertreter,
die bereits die Basis des Turiner Meetings bilden. Petrini
verkündete auch die drei neuen Vizepräsidenten: Alice
Waters von Slow Food USA, die im Amt bestätigt wurde,
die indische Aktivistin Vandana Shiva und schließlich
als konkrete Umsetzung seiner vorherigen Ausführungen
John Kariuki Mwangi, kenianischer Student an der Universität
der gastronomischen Wissenschaften, was von den Delegierten
mit dem stärksten Applaus begrüßt wurde.
Hier einige Auszüge aus Petrinis Reden.
«Die vier Jahre
seit dem letzten Kongress waren intensiv und bedeutend:
Wir haben die erste Universität der Welt für gastronomische
Wissenschaften eröffnet, die Begriffe gut, sauber und
fair geprägt und zweimal Terra Madre realisiert. Wir
haben auch die Idee des Ko-Produzenten verstärkt, also
eines Verbrauchers, der nicht nur passiv den Anweisungen
der Außenwelt und der Werbung unterliegt, sondern sich
aktiv mit allen Implikationen und Konsequenzen seines
Kaufverhaltens auseinandersetzt [...] Dieser Kongress
soll die neuen Ziele, die neuen Strategien, unsere zukünftige
Struktur formulieren, und gleichzeitig müssen wir darüber
nachdenken, wie wir die Entwicklung der Bewegung aufrecht
erhalten und fortsetzen können, ohne die großen Werte
der Freundschaft, Freude, Zuneigung und des gesunden
Wahnsinns zu verlieren, die sie bis heute geprägt haben».
«Wir müssen
die Krise in der Auffassung einer linearen, unendlichen
Entwicklung zur Kenntnis nehmen, die sich anmaßt, von
unterentwickelten Ländern zu sprechen und als Modell
Länder zu nehmen, die die Produktivität zu ihrem Schlüsselelement
gemacht haben. Wir müssen zurückkehren zu einer Auffassung
der Kultur, die von lokalen Wirtschaftsformen und nicht
von linearer Entwicklung geprägt ist [...] Es gibt keine
unbegrenzten Ressourcen».
«Das traditionelle
Wissen ist der Humus, ans dem die biologische Vielfalt
entsteht. Es liegt in den Händen der bescheidenen Bauern,
und wir müssen die Wissenschaftlichkeit ihres Könnens
unterstützen, sie in die Universitäten bringen, und
wenn wir auf einer Ebene mit den Dozenten sprechen,
werden wir einen großen Kampf gewonnen haben. Die Selbstwertschätzung
der Bauern zu unterdrücken, ist ein wesentliches Element
für die Umweltkatastrophe».
«Öffnen wir
die Tore unsere Bewegung. Wir wollen eine Internationale
von Gastronomen, von Menschen, die an die Lebensmittelkultur
glauben und daran teilhaben. Slow Food kann keinen elitären
Anspruch vertreten. Das wird uns viel Mühe kosten [...],
aber man muss es versuchen – mit einer fröhlichen, brüderlichen,
freundschaftlichen Logik. Wir sind Mitglieder, weil
wir gemeinsame Ziele verfolgen, aber die Mitgliedschaft
ist noch viel stärker: Sie ist ein rationales Projekt,
das von nicht rationalen Anregungen und Impulsen lebt.
Der Wunsch, am Leben teilzuhaben, eine Hoffnung zu haben,
das Bedürfnis nach Geselligkeit, die Unzufriedenheit
mit dem Geschwätz der Parteien… Wir müssen weiterhin
glückliche, fröhliche Menschen sein. Das ist das Gegenmittel
in der Welt von heute, das ist die Basis für die Freundschaft
und für unser Leben».
«Man kann nicht
immer gerührt sein, wenn die jungen Leute reden, gleiche
Chancen für Frauen fordern, die zentrale Bedeutung der
Bauernwelt in unserem Verein bekräftigen und dann diesen
Absichtserklärungen keine Taten folgen lassen. Es ist
richtig, dass auch der Führungsstab in die Hände frischer
Kräfte übergeht, die neuen Lebenssaft bringen und die
Evolution der Politik von Slow Food in den nächsten
Jahren repräsentieren. Es werden vier fantastische Jahre
sein: unterhaltsam, interessant, voll neuer Projekte,
die wir realisieren werden, als direkte Konsequenz der
Evolution von Slow Food und der jüngsten Entwicklung
in Gebieten wie Südamerika, Afrika und dem asiatischen
Kontinent».
«Slow Food-Mitglied
zu sein bedeutet kollektive Teilnahme. Wir verwehren
niemandem das Recht, sich Slow Food anzuschließen. Wir
werden für die Selbständigkeit der convivien und für
die Flexibilität arbeiten, d.h. in den Gebieten, in
denen wir präsent sind, werden sie sich den jeweiligen
lokalen Merkmalen anpassen, so dass die Botschaft tief
wirken kann. Dieser Weg dauert bereits 20 Jahre und
hat uns von der Önogastronomie zur Ökogastronomie gebracht,
und er bringt uns jetzt zu neuen Unternehmungen und
bestätigt damit erneut den Vereinswert als starken Wert
der Zivilgesellschaft».
«Ich habe gerade
deshalb keine Angst vor der Entwicklung der Bewegung,
weil die Grundeigenschaft immer die Autonomie der Gebiete
und die Einheit bei den Projekten sein sollte. Welche
Spannungen können entstehen, wenn man so denkt? In jedem
Teil der Welt arbeitet man selbständig, aber die Ziele
sind die gleichen, keiner von uns ist allein. Und das
Wachstum bringt Hoffnung. Diese gleichen Hoffnungen
hege ich für das Geschick dieses Planeten».
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Zoom auf das Terroir:
der beste Handel ist der Dialog |
Die mexikanische Region Xochimilco gehört zum Unesco-Welterbe
der Menschheit wegen der chinampas, den schwimmenden
Gärten aus präkolumbischer Zeit. Sie waren früher in
dem großen See, der später austrocknete und wo heute
Mexiko Stadt liegt, weit verbreitet. Das Projekt Productos
de chinampas di Xochimilco, das convivium von
Condesa Roma ,
zusammen mit Karina Morales Torres, die gerade ihr Studium
an der Universität der gastronomischen Wissenschaften
abgeschlossen hat, und Mitglieder des jungen Netzwerks
haben einen intensiven Dialog mit den Restaurantbesitzern
in der Hauptstadt aufgenommen, um dafür zu sorgen, dass
die traditionellen Produkte aus diesen malerischen schwimmenden
Gärten wieder einen Ehrenplatz auf den mexikanischen
Tischen erhalten. Es gibt schon sechs Restaurants, die
nicht nur Mais und Gemüse aus Xochimilco kaufen, sondern
sich auch aktiv für die Entwicklung dieser Kleinproduktionen
einsetzen. Einige Chinamperos programmieren
ihren Anbau schon entsprechend der Nachfrage der Restaurants
und beginnen mit Produkten zu arbeiten, von denen sie
nicht glaubten, dass sie einen Markt haben könnten.
Luis Jhon, Koordinator des Projekts, ist überzeugt,
dass ein wirklich “fairer” Handel nur möglich ist, wenn
die Verkäufer und Käufer sich näher kommen und in den
Dialog treten, und dass diese schreckliche und kostspielige
Barriere zwischen Land- und Stadtwelt unbedingt überwunden
werden muss.
Um die chinampas der Stadt anzunähern, erwägt
das Projekt auch den Aufbau eines Bauernmarkts im Viertel
Condesa Roma. Umgekehrt bereiten sich nach einem Probebesuch,
den das lokale convivium organisiert hat, einige Chinamperos
darauf vor, ihre Chinampas zu Chinampas
escuelas und Chinampas demostrativas zu machen, damit
sie Führungen empfangen und eine pädagogische Funktion
erfüllen können, ohne ihre Produktionskapazität zu verlieren.
Luis Jhon
Koordinator des Projekts
troncho77@yahoo.com
Von
Mexiko… nach Stuttgart
Der Markt des guten Geschmacks öffnet seine Tore in
Stuttgart zum zweiten Mal mit über 250 handwerklichen
Erzeugern. Vom 3. bis 6. April 2008 verwandeln die Passion
der Produzenten, die Neugier des Publikums und ein umfangreicher
Bereich für die Geschmackserziehung die Messe wieder
in einen Ort für Begegnungen und Informations- und Wissensaustausch:
ein einzigartiger Markt, eine Antwort auf die Industrialisierung
und Gleichmacherei, die von der heutigen Lebensmittelbranche
auferlegt wird.
An der Veranstaltung nimmt auch das Bündnis der Kakaoerzeuger
aus Villahermosa (Hauptstadt der mexikanischen Region
Tabasco) teil, das im November 2007 von einer verheerenden
Überschwemmung heimgesucht wurde. Die mexikanischen
Erzeuger erzählen dem Publikum, wie die die Katastrophe
erlebt und überwunden haben und wie das Projekt Restablecimiento
del Agroecosistema Cacao en Tabasco entstanden ist.
An dieser Initiative arbeiten Slow Food-Terra Madre
und der Verein Mas para el campo, der die verschiedenen
Kooperativen von Kakaoerzeugern der Region Chontalpa
koordiniert, zusammen. Das Projekt betrifft 720 Hektar
Land mit dem Zweck, den regulären Produktionszyklus
wieder zu aktivieren, die Produktqualität zu verbessern
und den Handel auszuweiten.
Zum Markt des guten Geschmacks gehören auch runde Tische
mit Diskussionen und Foren sowie ein reiches Rahmenprogramm
(Menüs, Geschmackserlebnisse). Ein besonderer Schwerpunkt
ist der Ernährung in Kindergärten, Schulen und in der
Familie gewidmet, während die Jüngsten sich in einem
wahren kulinarischen Wettkampf messen können, der vom
Motto des Films Ratatouille inspiriert ist: «Jeder kann
kochen».
Für weitere Informationen über den Anlass besuchen
Sie: www.slowfood-messe.de
Alma Rosa Garces Medina
Lebensmittelbündnisses von Villahermosa
atcovillahermosa@yahoo.com.mx
Reise
zu den Wurzeln der Lebensmittel: Internationaler Salone
del Gusto-Terra Madre 2008
Salone del Gusto
und Terra
Madre präsentieren sich dieses Jahr in
Turin vom 23. bis
zum 27. Oktober gemeinsam: ein einziges
Event mit zwei verschiedenen, aber stark verbundenen
Seelen. Das Thema 2008 ist Die Reise zu den Wurzeln
der Lebensmittel, das grafisch in einen Baum übersetzt
wird: ein Weg, der von den Zweigen voller Früchte,
den Tellern, also dem Salone, über die Adern mit dem
Lebenssaft des gut, sauber und fair zu den Wurzeln
führt, zur Erde, also zu Terra Madre, dem Welttreffen
der Lebensmittelbündnisse.
Dieser Weg findet seinen konkreten Ausdruck in der
Via Virtuosa, einer Strecke mit informativen/erzieherischen
Stationen, die auf der Suche nach den Kriterien gut,
sauber und fair, um weniger zu konsumieren und besser
zu leben, durch den Salone verläuft und bis zu den
Förderkreisen führt, die zum ersten Mal im Oval Lingotto,
dem Gebäude, in dem Terra Madre stattfindet, untergebracht
sind.
2008 kommen außerdem Terra Madre Holland
vom 17. bis 18. Mai in Middleburg und Terra
Madre Irland vom 4. bis 7. September in der
historischen Stadt Waterford hinzu.
Das convivium
das vor Kurzem im Institute of Technology Waterford
von Donald Lehane, der zum Netzwerk der jungen Leute
gehört, gegründet wurde, beteiligt sich an der Organisation
des irischen Events. Es ist das erste in Irland, das
im Rahmen einer Hochschule aktiv wird, und will Initiativen
zur Lebensmittelerziehung anregen, Treffen im Zeichen
der Geselligkeit realisieren und die Organisation
von Terra Madre Irland 2008 unterstützen. Die Studenten
arbeiten an der Eröffnungskonferenz zur Lebensmittelpolitik
mit und beteiligen sich an den 4 Tagen der Veranstaltung,
die die Stadt und die gesamte Region beleben werden.
Für weitere Informationen über den Anlass
in Irland besuchen Sie: www.terramadreireland.com
Donald Lehane:
Convivienleiter von Waterford
lehane@iol.ie
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Die
Märkte säen die Saat
des Friedens |
Die Libanesin Dana Ghoussaini
und die Israelin Michal Ansky haben sich anlässlich
der Eröffnung des Internationalen Netzwerks der Märkte
der Erde vor kurzem kennen gelernt. Die beiden jungen
Frauen engagieren sich stark in ihren jeweiligen Ländern
und waren begeistert von der Idee einer möglichen
Zusammenarbeit.
Dana, Vertreterin von Slow Food Beirut
und Koordinatorin der drei Märkte der Erde auf libanesischem
Boden, präsentierte das Projekt bei dem Meeting. Michal,
Gastronomiejournalistin und Absolventin eines Masterstudiengangs
an der Universität der gastronomischen Wissenschaften,
gehört zu den Organisatorinnen des ersten Bauernmarkts
in Tel Aviv, der ab dem 2. Mai einmal in der Woche
im Hafen der israelischen Stadt stattfinden soll.
Dana und Michal nahmen mit 70 Vertretern der Bauernmärkte
und von Slow Food aus aller Welt an dem Treffen im
März in Italien teil. Dieses neue Projekt von Slow
Food hat ein präzises Modell für die Bauernmärkte
ausgearbeitet: Die Märkte der Erde folgen gemeinsamen
Regeln, die dem spezifischen Kontext im jeweiligen
Land angepasst werden können. Die Delegierten haben
den ersten Markt der Erde besucht, der vor drei Jahren
in der toskanischen Stadt Montevarchi eröffnet wurde,
und Berichte der Vertreter von Pilotprojekten im Libanon
und Mali angehört. Von ihren Erfahrungen erzählten
auch die Koordinatoren des Netzwerks der Bauernmärkte
in Amerika und England, die in Zukunft auch dem Netzwerk
der Märkte der Erde beitreten könnten.
Für weitere Informationen: info@mercatidellaterra.it
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Es wird nichts weggeworfen |
Nicole Sturzenberger hat soeben
den Master in Food Culture an der Universität der
gastronomischen Wissenschaften in Colorno, Italien,
absolviert. Nach einer Abschlussarbeit über die Umwandlung
des Abfalls aus der Olivenölproduktion in Energie
arbeitet Nicole heute für die Universität Kalifornien
in der Stadt Davis. Sie erzählt: «Hier an der Universität
arbeite ich für das Olive Center und den Robert Mondavi
Edible Garden. Wir erzeugen unser eigenes Olivenöl
aus der Ernte, die uns die Bäume auf dem Campus ermöglichen.
Der nächste Schritt wird sein, die Olivenkerne zur
Energiegewinnung zu nutzen».
Nicoles Aufgabe im Institut steht in Verbindung mit
der Verpflichtung der Universität, bis zum Jahr 2020
das Ziel “Zero Impact” zu erreichen.
Nicole Sturzenberger
Robert Mondavi Institute Garden
ndsturzenberger@ucdavis.edu
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Ernte
im Gebirge |
Das convivium im alpinen Coolporteur
organisiert am 17. und 18. Mai 2008 in Gap (Frankreich)
eine Messe zu den Produkten und Aromen des Gebirges:
Savoirs
et saveurs de montagne ist ein einzigartiges Event
im Westalpenbogen, ein Fest der Terroirs, eine Schule
des Geschmacks, eine offene Diskussion über die
Zukunft.
Die Messe umfasst:
- den Markt des Geschmacks, auf dem die Produkte aus
Bergen aus Frankreich und Italien angeboten werden
und an dem sich lokale Einrichtungen wie der Naturpark,
Einkaufskooperativen usw. beteiligen,
- Geschmackserlebnisse mit Verkostungen, die von Erzeugern
und Köchen angeleitet werden,
- den Bereich Manger Slow mit kulinarischen Demonstrationen
für das Publikum, in denen gezeigt wird, wie man einfache,
hochwertige Produkte zu geringen Preisen zubereitet.
Die Messe ist der lokale Abschluss für ein interregionales
Programm, das von der EU finanziert wird, mit dem
Titel: Le tour des savoirs et des saveurs de la montagne.
Es werden 1500 Besucher erwarteti.
Rostain Philippe
Convivienleiter von Coolporteur
philippe@slowfood.fr
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Gutes Essen an kanadischen Schulen |
Paul Finkelstein kam vor sieben Jahren als Lehrer
an die Northwestern Secondary School in Stratford
(Ontario, Kanada). Dort fand er das übliche Bild vor,
das er bereits von vielen anderen Schulen kannte:
überall im Gebäude Getränke- und Snackautomaten und
in der Schulkantine äußerst kalorienreiche Speisenangebote.
Paul kämpft seit Jahren gegen die Epidemie der Übergewichtigkeit
und die anderen ernsten Gesundheitsprobleme, unter
denen die Jugend heute leidet, mit einem einzigen
Rezept, nämlich einer Kombination aus Programmen zur
Lebensmittelerziehung, Schulgärten, Organisation von
Menüs und Reisen. Das Hauptziel ist, dass seine Schüler
die wahren Lebensmittel kennen lernen, indem sie selbst
frische Produkte kochen und zu Experimenten mit verschiedenen
Zutaten aufgefordert werden, so dass sie einen persönlichen
Geschmack entwickeln.
Aus diesem Geist entstand das Screaming Avocado Café,
ein warmer Mittagstisch innerhalb der Schule, den
Paul zusammen mit seinen Schülern führt. Das Screaming
bietet nur gesundes Essen, und die Schüler bereiten
alle Gerichte selbst zu: Brot, Pasta, Sandwichs, Kaninchen
in Olivensauce, marokkanisches Couscous mit Lammfleisch,
Sushi…
Dieser Imbiss gehört zu einem breit angelegten Programm
zur kulinarischen Erziehung, das sich die Prinzipien
des Lokal- und Saisonbezugs der Produkte zum Ziel
gesetzt hat und jährlich 200 Schüler einbezieht. Mit
Hilfe der von Slow Food geförderten Austauschprogramme
hatten die Schüler die Möglichkeit zu Reisen in Kanada
und ins Ausland (Japan), um sich mit Kollegen aus
anderen Ländern und Kulturen zu treffen und auszutauschen.
Paul Finkelstein
paulfink@fc.amdsb.ca
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Slow
Food on Film |
Die ganze Zitadelle der Manifattura delle Arti in
Bologna, Italien, wird fünf Tage lang von der Energie
der Bilder und önogastronomischen Events geprägt sein,
die von der Slow Food-Bewegung und dem Filmarchiv
Cineteca di Bologna organisiert werden. Damit soll
eine erste internationale Auseinandersetzung mit dem
Essen in den wichtigsten heutigen audiovisuellen Sprachen,
Kino und Fernsehen, angeregt werden. Slow Food
on Film bietet vom 7. bis 11. Mai von morgens
bis abends Filmvorführungen in den wichtigsten Kinos
der Stadt, gefolgt von Verkostungen mit Gerichten
und Weinen, die von den Filmen inspiriert sind.
Es gibt vier offizielle Wettbewerbe: Shorts competition
(für Kurzspielfilme), Docs competition (für Dokumentarfilme),
BFF – Best Food Feature (für den besten gastronomischen
Spielfilm) und die Goldene Schnecke – Best Food TV
Series (für die Fiktions- oder Dokumentarfernsehserie,
die im umfangreichen internationalen Panorama durch
eine bewusste, intelligente, kulturell relevante Darstellung
der Gastronomie aufgefallen ist).
Das Gesamtprogramm bald unter: www.slowfoodonfilm.com
Auf der Web Seite können Slow Food Mitglieder
auch die Events zu Sonderpreisen bestellen.
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EDITORIAL
Liebe Slow Food-Mitglieder,
dies ist die erste Ausgabe eines E-Mail-Newsletters,
den Sie ab jetzt jeden Monat erhalten werden.
Er berichtet von unserem Verein, über das, was in
den convivien passiert, und wie Slow Food verstanden,
erlebt und praktiziert wird – von Chiapas bis zu
den mongolischen Steppen, von den deutschen Tischen
bis zu den Farmers markets in San Francisco: Orte,
Arten und die Zeit der guten, sauberen und fairen
Lebensmittel und der Gedanken und Fakten drumherum.
Dies ist ein Newsletter in acht Sprachen und damit
Ausdruck für ein Netzwerk, das immer anarchischer,
fröhlicher, komplexer und offener für die Unterschiede
wird. Er wird in der Via Mendicità am historischen
Sitz von Slow Food im piemontesischen Bra herausgegeben,
aber wir wünschen uns, dass er immer mehr außerhalb
von hier geschrieben wird und von Euren lokalen
Interpretationen des Genusses in seinen vielfältigen
Erscheinungsformen – gastronomisch, geistig, gefühlsmäßig
– erzählt. Er soll den Austausch, die Kampagnen,
die Projekte der Slow Food convivien in aller Welt
dokumentieren, ob sie sich nun in den Pariser Cafés
oder in den guatemaltekischen Kaffeeplantagen treffen.
Slow Food Times soll auch ein Tagebuch der Reise
zu den Wurzeln der Lebensmittel sein, und zwar sowohl
im philosophischen Sinne – Austausch von Wissen,
Wandel von Meinungen und Interessen, der rote gedankliche
Faden, der vom Gericht auf dem Teller zum Boden
führt – als auch im konkreten Sinne: Er berichtet
von den Mitgliedern, die Erzeuger besuchen, von
den Bündnissen, die sich auf Terra Madre und den
Salone del Gusto (Turin, 23.-27. Oktober) vorbereiten,
von den convivienleitern, die mit einem reichen
Gepäck an mitteilenswerten Anregungen und Vorschlägen
aus Mexiko zurückgekommen sind.
Der Internationale Kongress, der im vergangenen
November in Puebla stattfand, war nämlich ein großer,
wesentlicher Moment für unseren Verein: Wir hatten
dort die Möglichkeit, Bilanz zu ziehen über die
Entwicklung, die wir hinter uns haben, Leitlinien
zu umreißen, denen wir in Zukunft folgen wollen,
und den Horizont abzustecken, der unseren individuellen
Aktionen einen gemeinsamen Sinn verleiht.
Und aus diesem Grunde haben wir beschlossen, Slow
Food Times mit einem “Special” zum Thema Mexiko
zu eröffnen – als Ausgangspunkt für einen Dialog,
der immer vielfältiger werden soll. Dieser Dialog
wird die Komplexität und die Widersprüche spiegeln,
die dem Weg zu einer reiferen, verantwortungsbewussteren
Umgehensweise mit dem Essen und dem Genuss, der
daraus entsteht, selbstverständlich begleiten.
Gute Reise also. Immer langsam.
Paolo Di Croce
Internationaler Sekretär von Slow Food.
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WICHTIGE WORTE
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Am
Anfang wurde man in Japan vor allem Mitglied,
weil es Mode war. Heute treten dagegen viel
motiviertere und unternehmungslustigere Menschen
Slow Food bei, und wir stehen vor bedeutenden
Entwicklungen wie der Umsetzung einer asiatischen
Terra Madre [...] Unser Land ist voller Widersprüche,
wie Mexiko: Wir sind von Natur aus sehr slow,
aber die hemmungslose wirtschaftliche Entwicklung
hat unsere Traditionen untergraben. Heute
ist Japan das Land, das die meisten Food Miles
in der Welt zählt. Aber jetzt, da Slow Food
in allen Regionen unseres Landes präsent ist,
sind wir bereit, eine gründliche Wandlung
einzuleiten. |
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Hirotoshi
Wako
Präsident von Slow Food Japan
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Wir
sollten an eine weit reichende Lösung der
Probleme denken, die vor uns liegen. Die Lösung
liegt in der Erziehung und Ausbildung. Die
Schule ist der einzige Ort, an dem wir in
Kontakt mit den Kindern kommen und sie die
Kultur des Essens lehren können. Die Ökogastronomie
muss in die Lehrpläne der Schulen – vom Kindergarten
bis zur Universität – aufgenommen werden. |
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Alice
Waters
Internationale Vizepräsidentin
von Slow Food
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Der Libanon
ist eine sehr interessante kulinarische Reise. Er
hat eine reiche Lebensmitteltradition, die an die
Jahreszeiten gebunden ist. Das Essen ist für uns
ein Instrument der Gastlichkeit und ein Freundschaftsangebot.
In Beirut arbeiten wir daran, wenn auch in einer
sehr schwierigen Zeit für unser Land, die Bauernmärkte
zu unterstützen und verschiedene Erziehungsprogramme
in Schulen und Universitäten umzusetzen. |
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Barbara Massaad
Convivium Slow Food Beirut
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In
Weißrussland sind die Kolkoz die größte landwirtschaftliche
Macht. Sie haben sehr fruchtbares Land und viele
Maschinen, aber sie sind höchst ineffizient, denn
es sind immer noch die sowjetischen Prinzipien,
die die Vorgaben für die Landwirtschaft diktieren.
Wir wünschen uns, dass sich mit unserem Beitritt
in das Netzwerk von Slow Food die Dinge ändern,
indem die lokalen Sorten und Produktionen wieder
entdeckt werden und man sich an der Qualität und
nicht mehr nur an der Quantität orientiert. Wir
brauchen die Auseinandersetzung mit all jenen, die
diese Entwicklung durchgemacht haben, und sind offen
für den Austausch. |
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Igor Danilov
Koordinator von Terra Madre
und Slow Food in Weißrussland
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Vor
zwanzig Jahren konzentrierte Slow Food die Aufmerksamkeit
auf das Produkt. Dann, mit Terra Madre, haben die
Produkte ein menschliches Gesicht bekommen. Die
Bauernkultur ist in Gefahr – im Süden wie im Norden
der Welt. In traditionell bäuerlichen Ländern wie
der Schweiz geben Tausende von Familien auf dem
Land ihre traditionellen Tätigkeiten auf für Trugbilder,
die nicht einträglich sind und kein Glück verleihen.
Hier sind das Engagement und die Arbeit von Slow
Food sehr wichtig, die all jenen, die sich der landwirtschaftlichen
Produktion widmen, wieder Würde und Befriedigung
verschaffen. |
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Rafael Pérezi
Präsident von Slow Food Schweiz
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Die
Condotta hat sich parallel zur Evolution des Slow-Gedankens
verändert. Wir arbeiten längst nicht mehr nur an
den Tischen der Osterien, sondern auch in Schulen,
Bibliotheken, Büros der Stadtverwaltung. Das neue
Ziel der condotta ist heute die Ausbildung von bewussten
Bürgern. |
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Marco
Brogiotti
Gouverneur von Slow Food Italia
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Schicken Sie uns Ihre Fragen und Kommentare, schreiben
Sie uns Ihre Geschichten und Erfahrungen: Hier
werden wir davon erzählen.
communication
@slowfood.com |
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