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Dies ist der Newsletter von allen, die zum Netzwerk Terra Madre gehören und gemeinsam nachhaltige Landwirtschaft, Fischfang und Viehzucht verteidigen


 
  Projekte

Der Stolz der Erzeuger
in Missira, Mali


Die Bauernmärkte sind Orte für die Begegnung und den direkten Austausch zwischen den Kleinbauern, die oft Schwierigkeiten haben, Zugang zu den konventionellen Handelskanälen zu erhalten, und den Verbrauchern. Die verkauften Produkte sind eng an das Gebiet gebunden (sie sind typisch und in der geografischen Umgebung des Markts angebaut worden) und folgen dem Rhythmus der Jahreszeiten.

In Mali begleitet und unterstützt die Slow Food-Stiftung für die biologische Vielfalt dank der finanziellen Unterstützung des Slow Food Conviviums in Brescia (Norditalien) den Verein Yeelen beim Aufbau des Erzeugermarktes in Missira, einem Viertel der Hauptstadt Bamako. Die Initiative entstand in Zusammenarbeit mit Aminata Traorè, der früheren Kulturministerin in Mali sowie Gründung des Africa Social Forum, die vorschlug, diesen alten Markt wieder aufzubauen, und sich dann direkt für das Projekt engagierte.

Der Markt in Missira, so wie er heute besteht, ist der Stolz der Erzeuger, die endlich vor Sonne und Wind geschützt sind. Er bietet den Käufern aus Missira, Bamako und anderen Städten eine gesündere Umgebung, in der die Produkte vor Insekten, Wettereinflüssen und anderen negativen Faktoren geschützt und korrekt gelagert werden. Die wichtigsten Ergebnisse der Sanierung, die den Besuchern am meisten auffallen, sind, dass kein Schlamm und stehendes Wasser mehr da sind und damit Fliegen und Mücken erheblich weniger geworden sind.

Der kleine Markt in Missira – geputzt, verschönert und in ein angenehmeres städtisches Umfeld eingegliedert – ist derzeit eine Anlaufstelle für Austausch, Information, Erziehung und den Verkauf von gesunden, natürlichen Produkten. Gleichzeitig ist er auch ein Schaufenster für Technologien zu geringem Preis. Die Arbeiten wurden nämlich mit lokalen Materialien und Techniken ausgeführt und ermutigen so die lokale Bevölkerung zu mehr Vertrauen in die Möglichkeit, ihren Lebensraum mit relativ bescheidenen finanziellen Investitionen verbessern zu können .

Wenn Sie Kontakt zum Verein Yeelen aufnehmen wollen, schreiben Sie an:
famapemissira@yahoo.fr

 

Stadt und Land in den USA:
Hin- und Rückfahrt

John Peterson ist ein Bauer aus dem amerikanischen Mittelwesten, der am eigenen Leib die Passionen, Hoffnungen und bitteren Enttäuschungen erlebt hat, durch die die Sozialgeschichte in Amerika in letzter Zeit geprägt ist.

Aufgewachsen in einer traditionellen Bauernfamilie inmitten der Felder und Tiere des Hofs nahm er als junger Mann begeistert an der Hippy-Bewegung teil und führte dann den Betrieb der Eltern weiter, wobei er dem Diktat der Agrarpolitik der siebziger Jahre folgte: Expansion und intensiver Anbau. Wie viele seiner Landsleute brachte ihn diese Art der Investition Anfang der achtziger Jahre dazu, sich so hoch zu verschulden, dass er einen Großteil seines Landes verlor.

Erst 1990 fand John die Kraft, auf die Felder zurückzukehren, aber diesmal mit ganz anderen Absichten. Mit viel Geduld begann er, viele verschiedene Gemüsesorten nach biologischen und dann biodynamischen Methoden anzubauen, aber vor allem hat er einen ganz ungewöhnlichen Landwirtschaftsbetrieb ins Leben gerufen, der nämlich von der gesamten Gemeinschaft getragen wird: John hat in die Pflege und Ernte des Gemüses die Menschen einbezogen, die sich normalerweise auf den Einkauf beschränken – die Stadtbewohner.

Immer mehr Familien kommen aus Chicago und anderen Städten zur “Angelic Farms”, um John zu helfen, die Produkte vorzubereiten, die sie dann auf ihren Tellern haben. Stadtkinder wurden nach und nach mit Gemüsegärten und Insekten im Boden vertraut – bis der Betrieb eine wahre CSA (Community Supported Agriculture) wurde, in der reine Stadtmenschen jene Beziehung zum Land und den Landbewohnern wieder finden, die sie in den letzten Jahrzehnten verloren haben.

Um andere Bauern zu ermutigen, die mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, hat John seine Erfahrungen in dem Dokumentarfilm The Real Dirt on Farmer John (Farmer John – Mit Mistgabel und Federboa), erzählt, der von seinem Freund Taggart Siegel 2005 gedreht wurde.

Für weitere Informationen:
Website des Bauernhofs von John Peterson: www.angelicorganics.com
E-Mail: csa@angelicorganics.com
Website des Films The Real Dirt on Farmer John: www.farmerjohnmovie.com


  Die Community Supported Agriculture (Gemeinschaftshof) ist ein relativ neues wirtschaftliches Modell für die Landwirtschaft – die Entwicklung begann in den USA in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre –, in der die Verbraucher direkt in den Bauernhof investieren und so eine Art “Agrar-Aktionäre” werden, da sie die Risiken und Vorteile der Produktion teilen. Die Mitglieder der CSA zahlen die Kosten der Erzeugung im Voraus und erhalten dafür eine regelmäßige Lieferung von Saisonobst und -gemüse, die nach biologischen Methoden angebaut werden, und/oder von hochwertigem Fleisch. In einigen Fällen beteiligen sich die Mitglieder auch selbst an den landwirtschaftlichen Arbeiten. Durch den direkten Verkauf und die Vorauszahlung erhalten die Bauern und Züchter gerechtere Vergütung, müssen sich nicht mehr um das Marketing und die Beziehungen zu den Großvertrieben kümmern und stehen bei schlimmen Ereignissen, die die Arbeit eines ganzes Jahres zunichte machen können – Krankheiten von Pflanzen oder Tieren, Insekteninvasionen, ungünstige Wetterbedingungen – nicht mehr allein da. Es gibt verschiedene Formen der CSA, denen jedoch ein Schwerpunkt gemeinsam ist: der Aufbau eines gerechteren, auf den lokalen Bezug orientierten Agrarsystems, das den Erzeugern ermöglicht, sich auf die Bebauung der Erde bzw. die Viehzucht zu konzentrieren und kleine, lebendige Produktionsbetriebe zu unterhalten.  


Im Brennpunkt...


Solidarischer Einkauf

Wenn die Stadt sich mit dem Land trifft und auseinandersetzt, kann die Landwirtschaft ihr menschliches Gesicht wieder finden. Verbraucher und Erzeuger können sich absprechen, sich in die Augen schauen und sich dafür entscheiden, eine Wirtschaftsbeziehung aufzubauen, die auf Vertrauen basiert und auf lokaler Ebene geführt wird.

Dieses System, das ebenso uralt wie innovativ ist, entstand in Japan vor über vierzig Jahren neu, als eine Gruppe von Frauen sich der Vergiftungsgefahr durch den unbesonnenen Einsatz von Pestiziden beim Anbau bewusst wurde. In dieser alarmierenden Situation beschlossen sie, die Produktion kleiner lokaler Bauernhöfe zu unterstützen und sich der Agrarindustrie und dem zunehmenden Import von Essen zu widersetzen. Teikei heißt diese enge Zusammenarbeit, das bedeutet “das Gesicht des Bauern auf den Lebensmitteln”.

Das Modell der kollektiven Unterstützung der Bauernlandwirtschaft ging in den achtziger und neunziger Jahren um die Welt, wurde mit neuen Inhalten bereichert und passte sich den verschiedenen Realitäten an: von den amerikanischen und kanadischen CSA bis zu den verschiedenen europäischen Erfahrungen mit Einkaufsgruppen.

Nützliche Kauftipps aus Frankreich

2001 haben Daniel und Denise Vuillon in Frankreich den ersten AMAP (Association pour le Maintien de l’Agriculture Paysanne, Verein für den Schutz der Bauernlandwirtschaft) gegründet, Les Olivades, und dann den Aufbau eines Netzwerks von Erfahrungen und die Verbreitung des Modells im ganzen Land gefördert. Die beiden Bauern sprechen von ihrem Gemüsegarten in der Umgebung von Toulon wie von einer kleinen Oase, die von der heutigen ungebremsten Urbanisierung umgeben ist: Eins der wichtigsten Merkmale der AMAPs ist gerade die Nähe, die direkte Nachbarschaft zwischen Stadt und Land, Erzeugern und Verbrauchern.

Die Landwirtschaft der AMAPs ist von ihrer Lage am Stadtrand und dem kleinen Maßstab geprägt und muss als Grundbedingung ständig auf die Produktqualität achten. Die Verbraucher selbst nämlich, in Gruppen versammelt, wählen und kontrollieren das Ergebnis des Erzeugers, mit dem sie einen Vertrag der solidarischen Wirtschaft schließen. Die Verbrauchergruppe beschließt, die landwirtschaftliche Produktion ein Jahr im Voraus zu bezahlen; der Bauer seinerseits verpflichtet sich, wöchentlich einen Produktkorb der Saison zu liefern, und zusammen teilen sie mögliche Gefahren (Frost, Hagel, Parasiten usw.). Dies ist ein System der solidarischen Wirtschaft, in der die Ethik der Produktion und die soziale Ethik verbunden sind.

Wenn Sie Kontakt zum AMAP Les Olivades aufnehmen wollen, schreiben Sie an:
Denise Vuillon
Mail: denise@olivades.com

Slow Food
kurz gesagt

Ko-Produzent

Slow Food fördert einen neuen Lebensmittelkonsum, der sich von dem passiven, uninformierten Verhalten, das in Städten und Hypermärkten weit verbreitet ist, deutlich unterscheidet: Diese Annäherungsweise basiert auf Kenntnis der Lebensmittel, Produktionstechniken und der Erzeuger. Um zu unterstreichen, dass der Verbraucher entscheidende Änderungen im Agrar- und Lebensmittelsektor beeinflussen kann, hat Slow Food den Begriff Ko-Produzent geprägt. Damit ist ein aktiver Verbraucher gemeint, der eine enge Beziehung zu den Bauern, Fischern, Züchtern, Winzern oder Käsern unterhält, von denen er nicht einfach kauft, sondern die er auch nach Informationen und Tipps fragt, um qualitative Unterschiede erkennen zu können und sich gesünder, schmackhafter und verantwortlicher zu ernähren. Durch diese aufmerksamen, informierten Verbraucher, die Ko-Produzenten eben, ist der Landwirt motivierter, mit traditionellen Techniken zu arbeiten, die die biologische Vielfalt der Produkte und ihre Qualität garantieren.
  
Märkte der Erde

Slow Food Italia und die Slow Food-Stiftung für die biologische Vielfalt entwickeln mit Unterstützung der Region Toskana ein Projekt für die Wiedereinrichtung und Vernetzung der Bauernmärkte in aller Welt. Das Projekt heißt Märkte der Erde und will die lokalen Wirtschaftsformen unterstützen, die auf Lebensmittelqualität und möglichst geringe Umweltauswirkungen in Produktion und Vertrieb achtet und die Rechte wahrt, die einer gerechten, fairen Gesellschaft zugrunde liegen. Die Märkte der Erde folgen einer präzisen Vorschrift, die von der Stiftung festgelegt wird und ihre Merkmale klärt: Es können nur Erzeuger teilnehmen, es dürfen nur lokale, nachhaltige Produkte verkauft werden, der Markt muss mindestens einmal im Monat stattfinden usw. In Italien ist das Projekt bereits in der Umsetzung: bis 2008 wird jede regionale Koordinationsgruppe von Slow Food (20 insgesamt) einen Markt in ihrer Region organisieren. Die Landesvereine und lokalen Gruppen von Slow Food in anderen Ländern sind aufgerufen, mit der Stiftung für die biologische Vielfalt zusammenzuarbeiten, um Bauernmärkte in ihren Regionen zu organisieren und die erfolgreiche Erfahrung in Missira (Mali) zu wiederholen.

Für weitere Informationen zum Projekt Märkte der Erde schreiben Sie an:
Alberto Arossa
a.arossa@slowfood.it

Stimmen von Terra Madre

  Die Haute Cuisine ist im Gegensatz zur herrschenden Meinung nicht elitär und unsolidarisch, ganz im Gegenteil. Die hohe Küche muss ein Teil von Terra Madre sein: Sie muss auf ihre Weise kommunizieren, wie wunderbar dieses Projekt ist, und sie muss, wie sie es schon immer getan hat, den kleinen Erzeugern helfen. Das kann, wenn man so will, auch reiner Egoismus sein: um immer die besten Produkte zu erhalten. In Europa stehen Spitzenrestaurants häufig in privilegierten Beziehungen zu den Kleinerzeugern ihrer Umgebung. Mein Traum ist, dass das gleiche in allen Ländern von Terra Madre passiert.  
     
  Ferran Adriá
Abschlusszeremonie von Terra Madre 2006
 
 


Ernährungs-
traditionen


Ein Fragezeichen, das Kindern antwortet

„Ich heiße Bineta und bin eine der 1000 Köchinnen (und Köche!) von Terra Madre. Ich bin Senegalesin und habe in Dakar in der Via Amadou Assane Ndoye ein Restaurant, das "Le ?" (Das Fragezeichen) heißt. Es ist sehr schlicht und diskret, eine Ausnahme im Chaos der Hauptstadt in meinem Land, wo erfolgreiche Restaurants dem internationalen Modell folgen und sich von den europäischen Küchen inspirieren lassen. In meinem "Le ?" habe ich allerdings beschlossen, das anders zu machen. Ich verwende nur Zutaten, die ich direkt bei lokalen Erzeugern einkaufe, und ich serviere nur traditionelle Gerichte, zum Beispiel Thiof (Epinephelus aeneus) – unseren köstlichsten Fisch -, Couscous aus roter Hirse und Couscous aus Foniohirse, einem Getreide mit zartem Geschmack, das für Diabetiker geeignet ist.

Unsere kulinarische Kultur ist reich und vielfältig; es ist wirklich schade, dass nährstoffreiche und geschmackvolle Nahrungsmittel in Vergessenheit geraten. Es tut mir leid, dass unsere Kinder minderwertige Lebensmittel essen, die in der ganzen Welt gleich sind. Deshalb habe ich Schüler der Grundschulen in Dakar in mein kleines Restaurant eingeladen. Zusammen mit den Köchen helfen sie in der Küche mit und lernen so die verschiedenen Rohstoffe kennen und wieder zu erkennen. Wir bauen die Menüs wie Verkostungen mit Anleitung auf: Wir erklären den Kindern die Eigenschaften der Produkte, die Zubereitungsmethoden und die Traditionen, die mit dem verbunden sind, was sie essen. Wir setzen auch Gesellschaftsspiele ein, in denen die Kinder all ihre Sinne spielen lassen müssen.
‚Lokal essen, senegalesisch essen’ ist nicht nur ein Werbeslogan – beim Fragezeichen ist es eine Realität. Ich hoffe, dass es das nach und nach auch in den Häusern meiner kleinen Kochgäste wird.“

Bineta Diallo
Mail: restaurantmdioh@yahoo.fr

 
  Die Foniohirse (Digitaria exilis) ist die wichtigste Art einer Gruppe von wilden und angebauten Spezies der Digitaria, die in der Savanne in Westafrika geerntet werden. In diesen Regionen ist Foniohirse sehr wichtig, denn sie ist nicht nur nährstoffreich, sondern verträgt auch halbtrockenes Klima, passt sich armen Böden an und ist überhaupt eins der Getreide weltweit, das am schnellsten wächst: Sie reift in 6-8 Wochen. Die Körner werden für Porridge (Eintöpfe mit Getreidemehl), Couscous, aber auch für die Herstellung von Bier und Brot verwendet. Nach der Mythologie des Volkes Dogon in Mali gestaltete der höchste Schöpfer, Amma, das Universum, indem er ein Korn der Foniohirse im “Ei der Welt” explodieren ließ.  
 
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Beschreiben Sie Ihr Bündnis, erzählen Sie, welche typischen Gerichte Sie bei welchen Gelegenheiten essen. Wir veröffentlichen sie dann in diesem Bereich.
Schreiben Sie an: communication@slowfood.com
 
 
 
 

Geben wir den Lebensmitteln ihr menschliches Gesicht zurück

Community Supported Agriculture, Bauernmärkte, AMAP oder solidarische Einkaufsgruppen: Nennen Sie es, wie Sie wollen, es sind jedenfalls alles neue Arten, lokale Wirtschaft, Lebensmittelwirtschaft zu betreiben. Ja: Lebensmittelwirtschaft, gastronomische Wirtschaft, denn nur damit kann die Kondition der Erzeuger ebenso wie der Ko-Produzenten befreit werden (siehe Abschnitt zu den Ko-Produzenten, AdR). Diese zwei Figuren sind durch eine Lebensmittelkette voneinander entfernt worden, die sich in den letzten fünfzig Jahren zunehmend entpersonalisiert, verlängert, manchmal bis zum Mysteriösen verschleiert hat. Mit dem Ergebnis, dass die Menschen, die Lebensmittel produzieren, und die, die sie essen, sich nicht mehr kennen, sehen, nicht miteinander sprechen und sich die Hand geben.

Wenn Essen Kultur und Identität ist, wie kann es dann nicht so direkt wie möglich mit demjenigen verbunden sein, der ihm Zeit und Pflege gewidmet hat, damit es bei uns allen auf den Tisch kommt? Ich glaube, dieses Bedürfnis nach größerer Menschlichkeit in der Lebensmittelwelt war bereits im Gründungsmanifest von Slow Food enthalten, das die Gastlichkeit und die menschlichen Beziehungen Slow in den Vordergrund stellte. Nun mit Terra Madre ist alles noch klarer.

Aber die Verkürzung der Lebensmittelkette heißt nicht nur, die wichtigsten Menschen, die mit dem Essen zu tun haben, einander anzunähern, sondern auch, vorteilhaftere lokale Wirtschaftssysteme aufzubauen, die Umwelt zu schützen, Kultur im Respekt vor den verschiedenen Identitäten zu gestalten. Für das Netzwerk Terra Madre muss dies eins der Hauptziele sein: dem Essen die menschliche Dimension zurückzugeben, damit es (wieder) ein Mittel zur Ökologie und zum Genuss, ein Instrument für gesellschaftliche und wirtschaftliche Befreiung wird.

Dabei heißt die Verkürzung der Kette nicht, prinzipiell gegen die Großvertriebe zu sein, sondern eine reale Alternative zum globalen Lebensmittelsystem aufzubauen, das in erster Linie seine menschliche Dimension verloren hat. Es heißt nicht, gegen irgendetwas oder irgendjemanden Krieg zu führen, sondern Frieden aufzubauen, weil das Essen die Diplomatie des Friedens ist. Und es zu schützen, in seinen kulturellen, sozialen und ökologischen Dimensionen zu bewahren, heißt, sich für etwas einzusetzen, das wirklich in die Richtung einer glücklicheren Welt führt. Immer zu allererst – slowly – in unseren Gemeinschaften, mit und bei denen, die uns am nächsten stehen.


Carlo Petrini

 
 

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Genießen Sie die Gaumenfreuden, die uns die besten Lebensmittel der Welt mit all ihrer Vielfalt schenken.
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Schicken Sie uns Ihre Fragen und Kommentare, schreiben Sie uns Ihre Geschichten und Erfahrungen: Hier werden wir davon erzählen.
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finden Sie Fotos, Videos und Audioaufzeichnungen
von Terra Madre 2006
 
 

Antwort auf Fragen

 

Ich glaube nicht, dass man von lokalen Gemeinschaften oder lokaler Wirtschaft in meiner Region oder in meinem Land sprechen kann. Ich glaube, dass dieses Konzept nur im Rahmen der hochentwickelten europäischen Länder angewendet werden kann.

Teresa Corção
Brasilianische Köchin von Terra Madre
Mail: tcorcao@terra.com.br

 

Das Konzept der lokalen Wirtschaft hat nicht nur eine Form. Er passt sich den einzelnen Realitäten und geografischen Gebieten an. Was sich dabei nicht ändert, ist die Grundidee: ein Bewusstsein verstärken und verbreiten, das sich den Logiken der Massenproduktion und der Gleichmacherei der Geschmäcker und Kulturen widersetzt. Es handelt sich nicht darum, etwas völlig Neues zu erfinden, sondern Tätigkeiten und Projekte zu initiieren, die die Bindung und Zusammenarbeit zwischen allen Menschen festigt, die in einer bestimmten Region leben und sie prägen: Erzeuger, Verbraucher, Schulen, Krankenhäuser, Forschungsinstitute, politische Behörden, Informationsträger, Organisationen der Zivilgesellschaft. Die lokalen Gemeinschaften und Wirtschaften zu fördern, bedeutet vor allem, eine besondere Aufmerksamkeit für das eigene Gebiet zu haben und sich dafür einzusetzen, dass andere diese Ansicht teilen. Dies ist nicht nur überall möglich, sondern auch überall notwendig, denn nur auf diesem Wege können die regionalen Produkte sich unterscheiden und weiter existieren. In der Massenproduktion gehen die Wettbewerbsvorteile schnell von einem Land zum nächsten über und bieten keine langfristige Garantie für die Erzeuger – ganz abgesehen davon, dass dieses System einen hohen Preis für die Umwelt und das Sozialgefüge fordert.

 
 
Wussten Sie schon...

Karotten für jeden Geschmack in New York

In den New Yorker Schulen werden viele Karotten gegessen. Seltsam ist jedoch, dass nicht weit von der Stadt köstliche Arten angebaut werden, während die Schüler eine Sorte essen, die von weither kommt. Der Bauer Richard Ball, der einen Landwirtschaftsbetrieb im Staat New York führt, hat daraus fast eine Grundsatzfrage gemacht und angefangen, mit den Leitern der Lebensmittelprogramme in den Schulen des Melting Pot zu diskutieren. Die bürokratischen Hindernisse, die seinen Karotten in den Weg gelegt wurden, muten absurd an: Das frische Gemüse erfordere zu viel Mühe bei der Zubereitung und sei daher logistisch zu schwer zu steuern, hat ihm jemand geantwortet. Richard hat sich aber nicht abspeisen lassen und zusammen mit der Ernährungsberaterin Karen Karp, die sich für die Frage interessierte, eine Möglichkeit gefunden, um seine Sorte Nantes an die Schulkantinen zu verkaufen. Als kleine Kegel verpackt, entsteht nur minimaler Abfall und sie werden auch für die Schuldirektoren appetitlich, die endlich die notwendigen Genehmigungen gewährt haben. Ein kleiner Schritt, um die “food miles” zu verringern (die Entfernungen, die die Produkte zurücklegen, die erhebliche Verschmutzung verursachen) und den jungen Amerikanern frischeres, gesünderes Essen anzubieten.

Hinweis für Alle, die sich für das Thema GVO interessieren

Am 5.-6. Dezember findet in Brüssel ein Treffen statt, das vom Netzwerk der 42 GVO-freien europäischen Regionen und vom Ausschuss der europäischen Regionen organisiert wird. Dabei werden Erzeuger, die nicht genetisch verändertes Soja anbieten, und am Kauf interessierte Firmen an einen Tisch gebracht.

Für weitere Informationen:
www.gmofree-euregions.net
Setzen Sie die GVO-Diskussion auf dem Blog von Terra Madre fort!