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Dies ist der Newsletter von allen, die zum Netzwerk Terra Madre gehören und gemeinsam nachhaltige Landwirtschaft, Fischfang und Viehzucht verteidigen

 
  Projekte

GranOs

Um das Saatgut der Bauern vor Patentansprüchen zu schützen, muss man nachweisen, dass ihre Merkmale und Eigenschaften keine “Entdeckung” der multinationalen Konzerne sind, sondern kollektiver Bestand der Gemeinschaften.

Mit diesem Ziel hat Slow Food das bedeutende Projekt GranOs innerhalb des Netzwerks Terra Madre aufgenommen, das dem eingeschlagenen Weg dient, eine Landwirtschaft zu fördern, die Umwelt, kulturelle Identität und biologische Vielfalt achtet.
Mit dem Projekt sollen die genetischen, morphologischen, physiologischen Eigenschaften und die bekannten kulinarischen und anderen Verwendungsarten von Pflanzenarten, die bewahrt werden müssen, beschrieben und geschützt werden, denn um die biologische Vielfalt zu erhalten, ist es wesentlich, das umfangreiche Erbe zu katalogisieren, das die Bauernwelt uns hinterlassen hat.
Auf der Website des Projekts, auf der im nächsten Herbst vor dem Meeting Terra Madre die erste Online-Datenbank verfügbar sein wird, werden die Pflanzenarten, die es zu bewahren gilt, aus aller Welt mit genetischen, anthropologischen, gastronomischen, pharmakologischen und kulturellen Informationen beschrieben. Außerdem wird GranOs Hinweise dazu geben, wo das Saatgut erhältlich ist, und Beispiele nennen, wer die beschriebenen Arten anbaut und was mit den Ernten erreicht wurde. Informationen und Datenbank stehen allen Interessierten zur Verfügung, die sie kennen lernen wollen oder brauchen, sofern sie sie nicht zu kommerziellen Zwecken verwenden und nicht versuchen, ihre Eigenschaften für sich zu beanspruchen.

Auf www.granos.it können Sie Näheres über das Projekt lesen, uns helfen, es umzusetzen, zu verbessern und zu finanzieren, und Sie können uns schon auf Saatgut aus Ihrem Gebiet aufmerksam machen! Schreiben Sie dazu an: centrostudi@slowfood.it.



Im Brennpunkt...

Freies Saatgut!

Das Saatgut ist ein Bollwerk der biologischen Vielfalt, denn es stellt den Urbeginn der Landwirtschaft, das erste Glied in der Lebensmittelkette und ein gemeinsames Erbe der Menschheit dar.
Aus diesen Gründen wird seit langem die Notwendigkeit eingefordert, Saatgut von Privatisierungen, Patenten und von Biopiraterie zu befreien und das Open-Source-Prinzip ein für alle Mal zu beschließen.
Die Freiheit, Saatgut zu reproduzieren, auszutauschen und zu bewahren, ist dagegen ein Recht, das kontinuierlich bedroht ist.

  Der Begriff Biopiraterie benennt sehr deutlich den Vorgang der Enteignung von bodenständigen Kenntnissen durch Unternehmen und Forschungsinstitute. Er bezieht sich auf den Rückgriff auf Systeme des geistigen Eigentums, um den Besitz und die exklusive Kontrolle von Ressourcen, Produkten und biologischen Prozessen zu legitimieren, die Jahrhunderte lang von nicht industrialisierten Kulturen genutzt wurden.  
 

Kokopelli

Ein Zeugnis für die derzeitige problematische Situation ist die Niederlage, die der Verein Kokopelli, der von der Saatgutindustrie des unlauteren Wettbewerbs angeklagt war, vor kurzem vor Gericht erlebte.
Um antike Gemüsesorten und ihre Samen zu verteidigen, auch unter dem Verweis auf die FAO-Abhandlung über die genetischen Ressourcen, hat Kokopelli mit Saatgut gehandelt, das als „nicht konform“ beurteilt wurde, und wurde zu hohen Strafzahlungen verurteilt. Nach der französischen Gesetzgebung muss Saatgut, bevor es in den Handel eingeführt werden darf, in ein offizielles Register eingetragen werden ­ zum Preis von 1500 Euro ($ 2174) für jede Art.
Der Verein Kokopelli wurde 1999 in Frankreich gegründet, um die biologische Vielfalt des Saatguts von Nutzpflanzen und Blumen zu schützen. Er hat heute mehrere tausend Mitglieder und nahm 2006 an Terra Madre teil. Er setzt sich für die freie Produktion und Verteilung von Saatgut für die biologische Landwirtschaft und die Verteidigung der pflanzlichen Biodiversität ein, auch mit Projekten in Entwicklungsländern und mit einem Handbuch für den Schutz von Saatgut.
Neben dem Hauptsitz in Frankreich hat Kokopelli Landesvertretungen in Italien, Belgien, Großbritannien und Deutschland gegründet.
Mit seiner Arbeit der Bewahrung sichert er die Samenproduktion von 2000 Gemüsesorten bzw. -gattungen, von denen die meisten antiken Ursprung haben.

Website des französischen Vereins: http://www.kokopelli.asso.fr/index.html



Slow Food
in wenigen worten

Nachhaltige Lebensmittel

Obwohl keine juristische Definition für nachhaltige Lebensmittel existiert, sind einige Begriffe wie “biologisch” oder “fairer Handel” klar definiert. Unter nachhaltigen Lebensmitteln versteht man Produkte, die so erzeugt, verarbeitet und vertrieben werden, dass:

- sie zur Unterstützung von lokalen Wirtschaften und nachhaltigen Möglichkeiten zur Lebensweise in den einzelnen Ländern bzw. bei importierten Produkten in den Erzeugerländern beitragen;
- dass die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten (und die Gesundheit wilder und gezüchteter Arten) geschützt wird, ohne dabei die natürlichen Ressourcen zu beschädigen und zum Klimawandel beizutragen;
- dass sie positive soziale Aspekte wie hochwertige Nahrung, sichere, gesunde Produkte und erzieherische Anregungen bieten;
- dass sie dazu beitragen, durch einen “systemimmanenten” Ansatz, der eine besondere Aufmerksamkeit für das Gleichgewicht des Produktionszyklus zwischen Abfall und Wiederverwertung erfordert, den Umwelteinfluss zu verringern.
 


Stimmen von Terra Madre

 
"Ich bin Ernährungsfachfrau und arbeite mit Bauerngemeinschaften zusammen, vor allem mit Frauengruppen, Studenten und Kollegen. Die Teilnahme an Terra Madre 2006 war für mich eine sehr wichtige Erfahrung, die es mir konkret ermöglicht hat, mit meinen Landsleuten in Kontakt zu treten, die Lieferanten von typischen Lebensmittelprodukten kennen lernen wollten.
Ich habe Rezepte von anderen Köchen, die in Turin waren, nach Hause bringen können, und habe Handelstechniken gelernt, die in anderen Ländern für ähnliche Produkte wie unsere verwendet werden.
Jetzt hoffe ich, die Prinzipien von Slow Food in meinem Land verbreiten zu können und so viele Menschen wie möglich dazu zu bringen, gesunde, lokale Lebensmittel zu erzeugen, zu verarbeiten und zu verzehren"
 
     
  Emmy Adisah Otwombe
kenianische Köchin von Terra Madre
addisah2004@yahoo.com
 
 


Ernährungs-
traditionen


Aus Venezuela... Tungos oder Carabinas

In einigen ländlichen Bevölkerungsgruppen südöstlich der Andenstadt Merida in Venezuela ist noch heute die Tradition lebendig, Tungos oder Carabinas zuzubereiten.
Es handelt sich um Brötchen aus Maismehl aus jungem oder reifem Mais, die in Bromelienblätter gewickelt werden (eine immergrüne Pflanze, die ursprünglich aus den trockenen Wäldern Brasiliens stammt, aus der Familie der Bromeliaceae, zu der auch Ananas gehört), die in den uralten Regenwäldern gesammelt werden. Es werden auch Blätter von Juquian (Canna edulis) verwendet, eine Yams-artige Staude, deren elliptische Blätter dem gekochten Mehl Vitamine, aber auch eine besondere Farbe und einen besonderen Duft verleihen. Anschließend werden die Blätter in den Hühnerhof, auf die Gemüsebeete oder Hausgärten geworfen, so dass sie auf natürliche Weise verwertet werden.
Die Tungos werden mit Molke oder mit Samen wie grünen Erbsen bereichert, so dass sie zu einem reichhaltigen Nahrungsmittel werden.
Es handelt sich um eine der vielen Zubereitungen mit Mais, die von den Indios aus den Anden überliefert sind und zur kulinarischen Tradition Südamerikas gehören.

Douglas Uzcátegui
150pizzas@gmail.com

 
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Beschreiben Sie Ihr Bündnis, erzählen Sie, welche typischen Gerichte Sie bei welchen Gelegenheiten essen. Wir veröffentlichen sie dann in diesem Bereich.
Schreiben Sie an: communication@slowfood.com
 


 
 

Das Saatgut

Vandana Shiva, die indische Wissenschaftlerin und internationale Vizepräsidentin von Slow Food, erklärt die Ziele und die Philosophie der von ihr gegründeten Bewegung Navdanya, die sich für den Schutz der biologischen Vielfalt, die Bewahrung des Saatguts und die Förderung des Samenaustauschs unter den Bauern ihres Landes einsetzt.

Die grüne Revolution hat die Landwirtschaft auf Monokulturen von Reis und Getreide beschränkt, die steigende Mengen an chemischen Düngemitteln, Pestiziden und Bewässerung verlangen. Die Reproduktion durch die Hand der Bauern wurde durch industrielle Reproduktion, die Agrarökologie durch Massenlandwirtschaft ersetzt. Die genetische Technik, von vielen als zweite grüne Revolution definiert, hat die Landwirtschaft bereits auf den Anbau von Mais, Soja, Raps und Baumwolle reduziert, deren Saatgut nach zwei Kriterien ausgewählt wird ­ Resistenz gegenüber Unkrautvernichtungsmitteln und Bt-Pflanzen ­ und sich in der Hand von fünf großen Gesellschaften befindet. Da ich mein Leben dem Ziel gewidmet habe, den ureigenen Wert aller Arten zu verteidigen, widerstrebt mir die Vorstellung, dass Lebensformen, Saatgut und biologische Vielfalt zu Erfindungen von transnationalen Gesellschaften und damit zu ihrem Eigentum erklärt werden können, zutiefst. Wenn das Saatgut zu «geistigem Eigentum» wird, wird zudem seine Bewahrung und gemeinsame Nutzung zum Diebstahl, und unsere erste Pflicht, das Saatgut zu erhalten, zu einer kriminellen Handlung. Aber es ist für mich ethisch nicht annehmbar, die Handlung, mit Hilfe von Patenten auf Saatgut und Pflanzen das Leben selbst zu besitzen und zu monopolisieren (was in diesem Fall wirklich kriminell ist), zu legalisieren. Navdanya hat über 20 gemeinschaftliche «Saatgutbanken» geschaffen, in denen es bewahrt wird und unter den über 300.000 Mitgliedern des Vereins frei ausgetauscht werden kann. Der freie Saatguttausch unter den Bauern im Geist von Zusammenarbeit und Gegenseitigkeit war die Grundlage dafür, die biologische Vielfalt und die Sicherheit der Lebensmittel zu erhalten [...]. Indem wir das Saatgut und die Biodiversität retten, schützen wir die kulturelle Verschiedenheit. Navdanya bedeutet auch «neues Geschenk», und wir bieten unseren Bauern das neue Geschenk des Lebens gegenüber der Auslöschung der Arten und der Kleinbauern an [...]. Im Gegensatz zu dem, was der Mythos der industriellen Landwirtschaft glauben machen will, erzeugen die biologisch vielfältigen Agrarsysteme mehr Lebensmittel und höhere Einkommen als die industriellen Monokulturen. Unser System Baranaja (zwölf Samen) ergibt einen doppelten Ertrag und um dreimal höhere Einkommen als eine Mais-Monokultur.

Aus Vandana Shiva, Dalla parte degli ultimi (Slow Food Editore, 2007)

 
 

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Genießen Sie die Gaumenfreuden, die uns die besten Lebensmittel der Welt mit all ihrer Vielfalt schenken.
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von Terra Madre 2006
 
 

Antwort auf Fragen

 

Ich habe am Treffen Terra Madre 2006 teilgenommen und hatte dabei die Chance, sehr viele interessante Dinge zu lernen. Es war unglaublich, so viele verschiedene Sorten von Lebensmitteln, Obst, Fleisch und so viele Menschen aus allen Ecken der Welt zu sehen! Wie macht man es, wenn man an der nächsten Terra Madre 2008 teilnehmen möchte?

Poonam Pande
poonam.pande@gmail.com

 

Das dritte Welttreffen der Lebensmittelbündnisse Terra Madre findet in Turin (Piemont, Italien) vom 23. bis 27. Oktober 2008 parallel zum Internationalen Salone del Gusto statt Der erste Schritt, um an der nächsten Terra Madre teilzunehmen, ist, den Online-Fragebogen auszufüllen, der in acht Sprachen zur Verfügung steht.

Terra Madre 2008 steht im Zeichen der Jugend. Zu den Neuigkeiten gehören ein Folkfestival mit Musikgruppen aus den Bündnissen und die Teilnahme des Youth Food Movement. Diese Bewegung wurde beim V. Internationalen Slow Food-Kongress (Mexiko, November 2007) gegründet und betont mit ihrer Präsenz, wie wichtig die neuen Generationen für die Zukunft einer Agrar- und Lebensmittelproduktion in kleinem Maßstab sind, die lokale Wirtschaften, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit zu fördern vermag. Die Bewegung beruht auf einer Idee von Studenten der Universität der gastronomischen Wissenschaften und von Slow Food USA und besteht aus amerikanischen Studenten, jungen Erzeugern, Köchen und Aktivisten.


 
  Wussten Sie schon...

Zauberer der Samen

Mitten im Himalaya, auf über 1500 Metern Höhe, kämpft der Bauer und Aktivist Vijay Jardhari, der Zauberer der Samen, seit Jahren seinen Kampf gegen GVO und intensive Agrarproduktion.
Jardhari gründete die Bewegung Beej Bachao Andolan als Reaktion auf das Scheitern der grünen Revolution, die die indischen Bauern zu Sklaven der Monokulturen gemacht und die Verschlechterung der Böden, den Verlust der biologischen Vielfalt und Umweltverschmutzung mit sich gebracht hat. Nachdem er diese negativen Auswirkungen erlebt hatte, begann Jardhari seinen Kreuzzug, um das traditionelle Saatgut zu schützen, aber auch die landwirtschaftliche Biodiversität und die lokalen Traditionen zu fördern.
In den letzten 25 Jahren hat Vijay bei seinen Reisen von Dorf zu Dorf rund 600 verschiedene Samenarten gesammelt, die in dem Gebiet heimisch sind, und das uralte Anbausystem Baranaja wieder vorgeschlagen, das heute in allen Dörfern von Uttarakhand (einem der 27 Staaten der Indischen Republik) angewendet wird. Bei der Methode verwendet jeder Bauer zwölf Samen mit verschiedenen Lebenszyklen, die eine optimale Produktion garantieren, ohne den Boden zu vergiften.


  Mit der grünen Revolution ist der innovative Ansatz bei der Agrarproduktion gemeint, der sich um die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts verbreitete. Dieser Innovationsprozess der landwirtschaftlichen Techniken entstand 1944 in Mexiko auf Betreiben des Friedensnobelpreisträgers und amerikanischen Wissenschaftlers Norman Borlaug und wurde später von den USA überall in der Welt durchgesetzt. Es handelte sich um eine Landwirtschaftsform, die auf den Einsatz von Arten mit hohem genetischem Potential und auf breiten Einsatz von technisch-wissenschaftlichen Kenntnissen gestützt war (genetisch selektionierte Pflanzen, landwirtschaftliche Maschinen, Düngemittel und Pestizide).
 
 

 
 

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